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Forschungsprojekt Artistic Alternatives to the Antigypsy Gaze

Laufzeit 09/2020–08/2022

Das Leitmedium Film spielt eine entscheidende Rolle für die Entstehung und Verbreitung von antiziganistischen Bildern. 

Das zweijährige FOF3 Explorer Project „Artistic Alternatives to the Antigypsy Gaze“ unter der Leitung von Dr. Radmila Mladenova widmete sich der Frage, welche Rolle das Leitmedium Film bei der Entstehung und Verbreitung antiziganistischer Bilder spielt und wie künstlerische Strategien dazu beitragen können, diese visuellen Stereotype kritisch zu hinterfragen.

Regal mit Buchrücken und dem Cover der DVD zum film „Aferim!“

Filmischer Antiziganismus stellt einen weitgehend unbeachteten „blinden Fleck“ des kulturellen Erbes dar. Das Projekt untersuchte alternative Darstellungsformen und entwickelte Ansätze, die stereotype Wahrnehmungsmuster aufbrechen. Im Fokus lag der Vergleich zwischen Antiziganismus und anderen Formen des Rassismus, vor allem dem Antisemitismus. Dabei wurde herausgearbeitet, wie historische Erfahrungen – insbesondere der Holocaust – filmische Erzählweisen und visuelle Ästhetiken prägen. Ziel war es, über die analytischen Grundlagen hinaus konkrete Gegenstrategien zu formulieren, die eine differenzierte und diskriminierungssensible Darstellung von Sinti und Roma im Film ermöglichen.

Daher war der Transfer der Forschungsergebnisse in die Zivilgesellschaft wesentliche Aufgabe des Projekts. In enger Zusammenarbeit mit außeruniversitären Partnern entstand das Sammelband Counterstrategies to the Antigypsy Gaze (heiUP), der als Film‑Toolkit konzipiert wurde und Fallstudien sowie zentrale Erkenntnisse des Projekts bündelt. Dieser Sammelband richtet sich an Akteurinnen aus Kultur, historisch‑politischer Bildung, der Filmindustrie sowie an Selbstorganisationen der Sinti und Roma. Seine inhaltliche Grundlage wurde im Workshop „Künstlerische Alternativen zum antiziganistischen Blick" gelegt, der vom 1. bis 3. November 2021 in Heidelberg stattfand.

Poster des Workshops

Im Sommersemesters 2021 fand das Hauptseminar „Das Bild der Anderen (Roma und Juden in slavischsprachiger Literatur und Filmen)“ statt, das Prof. Urs Heftrich und Dr. Radmila Mladenova gemeinsam durchführten.

Die Filmdatabank der FSA wurde um mehr als zweihundert neue Titel ergänzt und die Bibliothek durch den Ankauf von Büchern, DVDs, Filmplakaten und weiteren Materialien ausgebaut. Die Projektleitung beteiligte sich am Media Incubator des Goethe-Instituts Bulgarien in Sofia (Oktober 2021) sowie an den Media Incubators des Goethe-Instituts in Heidelberg und Mannheim (April/Juni 2022), die sich der Sensibilisierung für die Darstellung von Minderheiten – insbesondere Sinti*zze und Rom*nja – in audiovisuellen Medien widmeten. In Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut Schwäbisch Hall, Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg und dem Dokumentationszentrum Deutscher Sinti und Roma entstand der satirische Kurzfilm „Das Casting“ (2022, Regie: Willi Kubica).

 

Im Wintersemester 2021/22 koordinierte Dr. Radmila Mladenova, zusammen mit Prof. Karen Nolte vom Institut für Geschichte und Ethik der Medizin, die interdisziplinäre Ringvorlesung „(De-)Othering: rassismuskritische Revisionen sprachlicher, visueller und materieller Ordnungen“, die von Forscherinnen der Universitäten Heidelberg und Freiburg konzipiert wurde.

Besonders hervorzuheben ist der regelmäßige Austausch mit dem Regisseur Peter Nestler, der in zwei Dokumentarfilmen die Bürgerrechtsbewegung der Sinti und Roma in Deutschland und Österreich thematisiert und ein eigenes Kapitel dem filmischen Antiziganismus widmet. Erste Dreharbeiten fanden bereits im Herbst 2020 in der FSA statt. Aus der Zusamamenarbeit gingen die Dokumentarfilme „Unrecht und Widerstand – Romani Rose und die Bürgerrechtsbewegung“ (2022, strandfilm/Navigator Film für ZDF/3sat) sowie „Der offene Blick“ (2022) hervor. Der Film „Unrecht und Widerstand“ wurde 2023 mit dem Grimme Preis ausgezeichnet und fand breite öffentliche Resonanz.

Das Projekt wurde vom Research Council Field of Focus 3 der Universität Heidelberg gefördert.

Poster der Ringvorlesung

Projektmitarbeiterin

  • Dr. Radmila Mladenova