Promotionsstipendiatin Hanna Steinert
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Forschungsschwerpunkte
- Kunst der Moderne und Gegenwart
- Feministische, postkoloniale und kritische Theorie(n)
- Kunstgeschichtsschreibung und Wissensproduktion
- Ausstellungs- und Sammlungspolitiken, Infrastrukturen und Institutionskritik
- Antiziganismus-, Rassismus- und Antisemitismusforschung
Studium
- Seit 05/2024: Promotionsstudium im Fach Kunstgeschichte an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
- 2015–2024: Studium der Kunst- und Bildgeschichte und der Kulturwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin sowie der Kunstgeschichte und der Theater-, Film- und Medienwissenschaften an der Universität Wien
- 2011–2015: Studium der Soziologie und Philosophie an der Universität Mannheim
Berufliche Erfahrungen
- 2019–2024: studentische Mitarbeit im Fachbereich Kunstgeschichte der Moderne an der Humboldt-Universität zu Berlin, Prof. Dr. Eva Ehninger
- 2020–2021: Konzeption und Leitung des studentischen Seminars „Representing Women: Feministische Strategien in Wissenschaft, Kunst und Netzaktivismus“ an der Humboldt-Universität zu Berlin
- 2019: Praktikum beim Goldrausch Künstlerinnenprojekt Berlin
- 2018: Praktikum im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin
Stipendien und Auszeichnungen
- Seit 05/2024: LGF-Stipendium der Forschungsstelle Antiziganismus der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
- 2020: Humboldt-Preis für die Bachelorarbeit: „‘redefine, expand, and revise‘ – Das Feminist Art Program, Womanhouse (1972) und die Pop Art im Los Angeles der 1960er Jahre“
- 2019: Library Research Grant des Getty Institute in Los Angeles
- 2017–2018: Erasmusstipendium
Promotionsprojekt
Nach den Verschiebungen und Absagen von Kunstveranstaltungen aufgrund der COVID-19-Pandemie wurde das Jahr 2022 mit den internationalen Kunstausstellungen der Biennale in Venedig, der documenta fifteen in Kassel und der Manifesta 14 in Pristina als europäisches „Mini-Superkunstjahr“ (Monopol-Magazin) gefeiert. Während die Rezeption der jeweiligen Großausstellungen in der Kunstkritik, im öffentlichen und akademischen Diskurs unterschiedlich intensiv ausfiel – wobei die Debatte über Antisemitismus auf der documenta fifteen wohl bislang die breiteste Aufmerksamkeit erhielt – offenbarten die Ausstellungen eine weitere, kaum diskutierte Entwicklung im Bereich der zeitgenössischen Kunst, die Gegenstand meines Promotionsprojektes ist: Mit Małgorzata Mirga-Tas und Eugen Raportoru auf der Biennale in Venedig, Selma Selman auf der documenta fifteen und der Manifesta 14, Daniel Baker und Farija Mehmeti auf der Manifesta 14 sowie den Initiativen RomaMoMA und Nomadic Library des European Roma Institute for Arts and Culture (ERIAC) in Kassel und Pristina umfassten alle Veranstaltungen Projekte, welche Repräsentation und Sichtbarkeit in Bezug auf die Identifikation als Roma und/oder Roma Artists in den Mittelpunkt stellten. Ausstellungen, kuratorische und archivarisch-wissensvermittelnde Projekte, die Künstler*innen und ihre Werke unter Begriffen wie Roma Art, Roma Culture oder Roma Identity versammeln und zusammenfassen, lassen sich bis in die frühen 2000er Jahre zurückverfolgen. Durch die Analyse der Konzepte, des Wissens und der Narrative, welche durch diese Ausstellungen und Projekte konstruiert und verhandelt werden, sowie durch die Untersuchung der Verflechtungen zentraler Akteure (Künstler*innen, Kurator*innen, Institutionen, Sponsoren und andere politische Akteure) zielt meine Forschung darauf ab, diese Entwicklungen im Kontext der gesellschaftlichen Transformationen in Europa nach 1989 ((Neo-)Liberalisierung, Demokratisierung, Globalisierung, etc.) zu betrachten. Diese waren gleichzeitig durch einen Anstieg von rassistischer Gewalt gegen Sinti*zze und Rom*nja und der Implementierung der EU-Roma-Politiken gekennzeichnet sowie durch die zunehmende Globalisierung und Biennalisierung des Kulturfeldes, das die zeitgenössische Kunst bis heute prägt. Das Promotionsprojekt leistet so einen Beitrag und eine Erweiterung zu den aktuellen Diskussionen über die vielschichtigen Dynamiken und Ambivalenzen zwischen Kunst und Politik.
After the postponements and cancellations of art events in face of the COVID-19 pandemic, 2022 was celebrated as a European “Mini-Superkunstjahr” (Monopol-Magazin) with the international art exhibitions of the Biennial in Venice, the documenta fifteen in Kassel and the Manifesta 14 in Pristina. While the reception of the respective major exhibitions varied in intensity in art criticism, public and academic discourse – the debate about antisemitism at documenta fifteen probably resonating the most to date – the exhibitions revealed another, barely debated development in the field of contemporary art that is the subject of my PhD-project: With Małgorzata Mirga-Tas and Eugen Raportoru at Venice Biennial, Selma Selman at documenta fifteen and Manifesta 14, Daniel Baker and Farija Mehmeti at Manifesta 14 as well as the initiatives RomaMoMA and Nomadic Library by the European Roma Institute for Arts and Culture (ERIAC) in both Kassel and Pristina, the events all included projects which center the representation and visibility of their producers in terms of their identification as Roma and/or Roma Artists. Exhibitions, curatorial and archival projects grouping artworks under notions like Roma Art, Roma Culture or Roma Identity can be traced back to the early 2000s. By analyzing the concepts and narratives constructed and negotiated through these exhibitions and projects as well as examining the entanglements of central actors (artists, curators, institutions, donors and other political actors), my research aims to contextualize these developments within the societal shifts of European post-1989 transformations ((neo-)liberalization, democratization, globalization, etc.). These transformations were simultaneously characterized by a rise of racist and anti-Roma violence, and the implementation of EU-Roma-Policies as well as the globalization and biennialization of the cultural field which define contemporary art today. The PhD-project seeks to contribute to and broaden the present discussions around the multifaceted dynamics and ambivalences which emerge between art and politics.
Veröffentlichungen
- „Antigypsyism: History and Memory“, Tagungsbericht, in: H-Soz-Kult, 14.03.2025.
- „Ökonomien einer Ausstellung: Ein ausgewählter Blick auf das Projekt No Master Territories. Feminist Worldmaking and the Moving Image im Haus der Kulturen der Welt, Berlin,“ Rezension, in: Frauen und Film, Feministische Ökonomie und Zeitlichkeit, herausgegeben von Eva Kuhn, Heft 71, 2023, S. 169-176
- „Das Privileg der Entscheidung. Hanna Steinert über Małgorzata Mirga-Tas im Brücke-Museum, Berlin“, Rezension, in: Texte zur Kunst, 25. August 2023
- „Feministische Kritik in und an der Wikipedia,“ in: kritische berichte, Band 51, Nr. 1, 2023, S. 58-65
- „Glitch Feminism“, in: FKW // Zeitschrift für Geschlechterforschung und visuelle Kultur, WIE ://SPRECHEN WIR #FEMINISMUS?// NEUE GLOBALE HERAUSFORDERUNGEN – EIN GLOSSAR, herausgegeben von Elena Zanichelli und Valeria Schulte-Fischedick, Nr. 70, 2022, S. 115-117
- „Umbruch in der Kunsthalle Mannheim,“ Rezension, in: re:visions journal, Dezember 2020
- „Every Bus Stop on the Sunset Strip,” in: (Not Nearly) Every Picture — Annäherungen an Ed Ruschas Streets of Los Angeles-Archiv, Forschungsblog eines Praxisseminars am Institut für Kunst- und Bildgeschichte der HU Berlin unter der Leitung von Prof. Dr. Eva Ehninger, 2020
Vorträge und Veranstaltungen
- Gastvortrag im Seminar „(Anti-)Rassismus in der Kunst“ unter der Leitung von Dr. Alexandra Vinzenz am Institut für Europäische Kunstgeschichte der Universität Heidelberg, November 2025
- Moderation im Rahmen der internationalen Konferenz „Sichtbarkeiten der Erinnerung: Der Holocaust an Sinti und Roma im Film“ des Critical Film & Image Hub an der Forschungsstelle Antiziganismus der Universität Heidelberg, 12. – 14. November 2025
- Präsentation des Promotionsprojektes bzw. Teilen davon im Rahmen diverser Kolloquien; u.a. am Kunstgeschichtlichen Institut der Ruhr-Universität Bochum (Dr. Alexandra Vinzenz und Prof. Dr. Stephanie Marchal), am Institut für Kunst- und Bildgeschichte der Humboldt-Universität zu Berlin (Prof. Dr. Eva Ehninger), in den Critical Romani Studies der Södertörn University Stockholm (Prof. Dr. Jan Selling, Dr. Dezso Mate, Dr. Pavel Brunssen), im Rahmen des Meetings der Forschungsstelle Antiziganismus der Universität Heidelberg und des Jour fixe der Gesellschaft für Antiziganismusforschung e.V. (PD Dr. Yvonne Robel und Dr. Pavel Brunssen), 2024–2025
- „Other women stopped work and joined us”, Film-Screening von Yugantar’s Molkarin (1981) und Diskussion mit Nicole Wolf und Pallavi Paul, konzipiert und organisiert mit Aisha Allakhverdieva, Franziska Blume und Justine Ney im Rahmen der Tagung „Enslavement and Art: Forced Labor in the History of Art“ von Prof. Dr. Eva Ehninger & Prof. Dr. Ittai Weinryb, 17.–18. Juni 2024
- Kritische Einführungen in die Wissensproduktion in der Wikipedia an verschiedenen Institutionen u.a. Humboldt-Universität zu Berlin, Kunsthochschule Kassel, Zentrale Landesbibliothek Berlin, Wikimedia Schweiz, 2020–2023
- Moderation im Rahmen des Berliner Graduierten-Symposium für moderne und zeitgenössische Kunstgeschichte an der Freie Universität Berlin/Humboldt-Universität zu Berlin, 2020–2021
- Gastvortrag im Seminar „Vom Experimentalfilm zu Black Cyber Feminism - Gender in der Medienkunst nach 1960“ unter der Leitung von Elisaveta Dvorakk am Institut für Medienwissenschaft der Philipps-Universität Marburg, 2020
Mitgliedschaften
- Deutscher Verband für Kunstgeschichte e.V.
- Ulmer Verein - Verband für Kunst- und Kulturwissenschaften e.V.
- Gesellschaft für Antiziganismusforschung e.V.
