Manfred-Lautenschläger-Preis  Heidelberger Akademie der Wissenschaften zeichnet Dissertation von Joey Rauschenberger aus

Joey Rauschenberger erhält für seine Doktorarbeit zur „Wiedergutmachung für Sinti und Roma. Eine Praxisgeschichte der Entschädigung von NS-Unrecht in Baden-Württemberg 1945–1980“ den von der Heidelberger Akademie der Wissenschaften verliehenen Manfred Lautenschläger-Preis. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis kommt den Geistes- und Kulturwissenschaften zugute, die einen Fokus auf Geschichte, Gesellschaft und Kultur haben. Er soll für junge Forschende „Anerkennung“ und „Motor“ zugleich sein und wurde 2022 das erste Mal verliehen.

Dunkelblonder junger Mann mit Brille in blauem Anzug

Die Arbeit, die bereits mit dem Deutschen Studienpreis und dem Willy-Brandt-Preis für Zeitgeschichte ausgezeichnet wurde, untersucht erstmals umfassend, am Beispiel Baden-Württembergs, wie Sinti und Roma in der Bundesrepublik Deutschland entschädigt wurden. Rauschenberger ordnet die Verfahren in ihre administrativen Kontexte ein und entwirft eine exemplarische Mikrogeschichte der südwestdeutschen Entschädigungsverwaltung. Dabei legt er das komplexe Geflecht menschlicher Interaktion zwischen Sachbearbeitern, Antragstellenden, Rechtsanwälten und anderen Akteuren offen, das die Entschädigungsverfahren zur „Kontaktzone“ machte. Alltägliche Begegnungen, erfahrungsbedingte Erwartungen, tiefsitzende Vorurteile und spontane Handlungen beeinflussten die Praxis und Wahrnehmung von Wiedergutmachung. Dabei entstehende Enttäuschungen überschatteten und konterkarierten oftmals die materiell geleistete Entschädigung.

Die Dissertation erscheint Anfang August 2026 in der Schriftenreihe der Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte. Als Mitherausgeber publiziert Joey Rauschenberger außerdem im Sommer 2026 einen englischsprachigen Sammelband zur Wiedergutmachung von NS-Unrecht in der FSA-Schriftenreihe Antiziganismusforschung interdisziplinär.

Joey Rauschenberger arbeitete zwischen 2020 und 2024 als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand an der Forschungsstelle Antiziganismus. Seine Dissertation entstand im Rahmen des Drittmittelprojekts Antiziganistische Kontinuitäten in Baden-Württemberg nach 1945. Die Baden-Württemberg Stiftung förderte das Forschungsvorhaben als Teil des an den Universitäten Heidelberg und Stuttgart angesiedelten Verbundprojekts Reintegration, Schuldzuweisung und Entschädigung. Bewältigung und Nicht-Bewältigung der NS-Vergangenheit in Baden-Württemberg und seinen Vorgängerländern 1945 bis 1952