27. Januar 2026 Erste Gedenkrede einer ukrainischen Roma-Überlebenden vor den Vereinten Nationen

Nataliia Tomenko spricht bei UN-Holocaust-Gedenkveranstaltung über intergenerationelle Verfolgung, Erinnerung und Verantwortung

Anlässlich des Internationalen Tages des Gedenkens an die Opfer des Holocaust fand am 27. Januar 2026 in der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York eine offizielle Gedenkveranstaltung statt. Erstmals in der Geschichte dieser Zeremonie wurde dabei die Lebenserfahrung von Halyna Tomenko, einer Roma-Überlebenden aus der Ukraine, in den Mittelpunkt gestellt, die eine Videobotschaft an die Anwesenden richtete. Ihre Enkelin, die ehemalige FSA-Stipendiatin Nataliia Tomenko, trat in New York persönlich auf und betonte ihre Rolle als Nachfahrin der Opfer des Völkermordes an den Sinti und Roma Europas. 

Brünette Frau in schwarzer Bluse spricht an Pult mit UN-Logo

Unter dem Motto „Holocaust-Gedenken für Würde und Menschenrechte" richtete sich die Veranstaltung an die internationale Gemeinschaft und erinnerte an die Millionen Opfer nationalsozialistischer Verfolgung. Zum ersten Mal war die Zeremonie von einer intergenerationellen Zeugenaussage geprägt. Während des Zweiten Weltkriegs ermordeten das NS-Regime und seine Verbündeten mehrere hunderttausend Sinti und Roma im besetzten Europa. In der Ukraine erfolgte die Vernichtung überwiegend durch Massenerschießungen der Einsatzgruppen. Diese Geschichte blieb jahrzehntelang weitgehend unerkannt und undokumentiert. Im Kontext des 85. Jahrestags des Massakers von Babyn Jar im Jahr 2026 markieren die Reden Halyna und Nataliia Tomenkos einen wichtigen Meilenstein für die Sichtbarkeit und Anerkennung des NS-Völkermords an den Sinti und Roma in Europa.

Nataliia Tomenko forschte 2023 als Inhaberin des von der Manfred Lautenschläger-Stiftung geförderten Romani-Rose-Fellowships an der Forschungsstelle Antiziganismus über das kulturelle Erbe der Roma in der Ukraine. Ihr Forschungsschwerpunkt ist nicht nur im Hinblick auf die europaweit grassierende Diskriminierung der Roma, sondern auch mit Blick auf den Krieg gegen die Ukraine, der das kulturelle Erbe der Minderheit bedroht, hochaktuell. Neben ihrer Forschungstätigkeit ist Nataliia Tomenko auch als Künstlerin aktiv und setzt sich seit vielen Jahren politisch für die Rechte der Roma in Europa ein.